Wen-Tzu 2
Laotse sagt:
Wahre Menschen sind friedfertig und haben keine Sehnsüchte; sie sind ruhigen Gemüts und kennen keine Sorgen. Sie machen den Himmel zu ihrem Dach und die Erde zu ihrem Gefährt; die vier Jahreszeiten sind ihr Antrieb und das Licht weist ihnen den Weg. Sie reisen wo es keine Straßen gibt, durchstreifen die Welt ohne Überdruss und scheiden aus der Welt wo es kein Tor gibt.
Mit dem Himmel als ihr Dach bleibt nichts unbedeckt; mit der Erde als ihr Gefährt gibt es nichts, das ungetan bleibt. Mit den vier Jahreszeiten als ihr Antrieb bleibt nichts ungenutzt; da Licht und Schatten ihnen den Weg zeigen gibt es nichts, was nicht einbezogen würde. Daher sind sie flink ohne zu schwanken und sie reisen weit ohne zu ermüden. Da ihre Körper unbeirrt sind, ist ihr Verstand unvermindert und sie sehen die gesamte Welt wie sie ist. Dies bedeutet die Essenz des Weges in sich zu tragen und die gesamte Welt wahr zu nehmen.
So wird das Weltgeschehen nicht durch erdachte Konzepte beeinflußt, sondern entsprechend seiner individuellen Natur unterstützt. Um die ständige Wandlung der unzähligen Wesen zu unterstützen kann nichts getan werden, als die Essenz zu begreifen und zu ihr zurückzukehren. Daher kultivieren die Weisen ihr Innerstes und schmücken sich nicht mit äußerlichen Oberflächigkeiten. Sie bedienen sich des lebenserzeugenden Geistes und lassen erlernte Konzepte los. Daher sind sie aufrichtig und ungekünstelt, und doch gibt es nichts was sie nicht tun; sie folgen dem Gesetz nicht und doch gibt es kein Fehlverhalten.
Ungekünstelt zu sein bedeutet: nicht Handeln bevor andere es tun.
Dem Gesetz nicht zu folgen bedeutet: die Natur nicht zu verändern.
Kein Fehlverhalten zu zeigen bedeutet: in Übereinstimmung mit den Wesen voran zu schreiten.
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