Willkommen wieder bei Feng-Shui am Freitag.
Diesmal geht es um die Reichtumsecke.Also wie kommt man eigentlich auf dieseIdee? Wir Gehen so ein bisschen der historischen Entwicklung dieser Reichtumsecke nach und ich hoffe: spannender Content für euch; gleich hier bei Feng-Shui am Freitag.
Willkommen wieder bei Feng-Shui am Freitag. Heute ein kleines Video zur Reichtumsecke und die Überschrift wäre vielleicht: "Warum die Reichtumsecke meistens missverstanden wird."
Und wenn Feng-Shuiim Internet auf einen einzigen Satz reduziert wird, dann eben oft auf diesen: "Stellt einen Brunnen in die Reichtumsecke und der Wohlstand kommt."
Und das ist eingängig, es ist konkret, hoffnungsvoll. Genau deshalb ist es ja auch so beliebt. DasProblem ist jetzt eben nur, so denkt Feng-Shui ursprünglich gar nicht.
Die spannendeFrage ist deshalb nicht einfach, ob die Reichtumsecke nun stimmt oder nicht. Die spannende Frage ist, wie kommtman überhaupt auf so eine Idee?
Und genau daran kann man sehr schön sehen, worin der Unterschied liegt zwischen populären Feng-Shui, dass man relativ einfach konsumieren kann und klassischem Feng-Shui, welches sehr viel umfassender ist und sich nicht in einfachen Tricks erschöpft.
Die sogenannte Reichtumsecke ist nicht der Ursprung des Feng-Shui Denkens. Es ist eher das Endprodukt, einer langen Abstraktionskette. Wenn man diese Kette nicht versteht, dann verwechselt man eben sehr leicht Symbol, Methode undWirklichkeit.
Am Anfang steht im klassischen Feng-Shui nämlich nicht die Ecke, am Anfang steht der Ort. Und dieser Ort wird zuerst nicht abstrakt gedacht,sondern wahrgenommen. In der Formschule schaut man, was ist denn das für ein Platz? Ist er geschützt? Ist ergesammelt? Ist er tragfähig? Kann sich dort überhaupt Leben entfalten?
Reichtum bedeutet hier ursprünglich nicht einfach nur Geld im modernen Sinn. Reichtum meint zuerst einmal ein Ort, der fruchtbar ist, dert Wachstum trägt, er unterstützt Versorgung, er erlaubt Stabilität, Entwicklung und Entfaltung.
Mit anderen Worten, Reichtum beginnt nicht als Dekoration,sondern als Milieu.
Aber Reicht wird nicht der Ort selbst. Reich wird der Mensch, der in einem tragfähigen Milieu lebt, arbeitet und handelt. Ein günstiger Ort bringt den Wohlstand nicht einfach von alleine hervor. Er schafft Bedingungen, unter denen etwas wachsen kann.
Wie bei einem fruchtbaren Acker.
Die Erde kann gut sein, das Klima kann stimmen, das Wasser kann da sein, aber die Saat bringt sich eben nicht von alleine aus und das Korn erntet sich auch nicht von allein. Es brauch talso nicht nur gute Bedingungen, sondern auch menschliche Beteiligung,Wahrnehmung, Entscheidung, Arbeit, Kultivierung.
Der Ort schaft Kontext, aber Reichtum entsteht dort, wo Menschen und Umgebung in eine fruchtbare Beziehung treten. Und das ist ein ganz anderer Ausgangspunkt als die Vorstellung, irgendwo eine besondere Ecke im Grundrisszu markieren und dort einenGegenstand zu platzieren.
Von dort aus entwickelten sich im Feng-Shui verschiedene Systeme weiter. Ein wichtigerSchritt in dieser Entwicklung bestand darin, die ursprüngliche Prozess- und kontextorientierte Formschule zu nehmen und zu vereinfachen.
An die Stelle einer komplexen Analyse traten immer öfter feste Zuordnungen. Bestimmte Anordnungen galten automatisch als günstig, andere automatisch als ungünstig. Es gibt endlose Beispiele von Wasser- und Bergdrachen. So entstanden zahllose Klassifizierungen von Flussläufen, Bergformen oder Drachenformationen, die schematisch bewertet wurden.
Und genau an diesem Punkt beginnt bereits ein Problem. Wenn prozessorientierte Analyse durch starre Schemata ersetzt wird, geht langsam die eigentliche Essenz des Feng-Shui-Wissens verloren.
Der nächste Schritt waren dann die Kompassysteme. Hier schaut man nicht mehr nur auf sichtbare Formen, sondern auch auf Ordnung, Ausrichtungen, Strukturen.
Das ist der nächste Schritt der Abstraktion.
Ursprünglich blieb aber trotzdem die Form entscheidend, also "Xing Shi", die Form bildenden Kräfte einer konkreten Situation. Erst wenn man diese Kräfte versteht, bekommen Berechnungen überhaupt Bedeutung. Ohne Xing Shi, ohne die konkrete räumliche Situation bleibt jede Berechnung letztendlich leer.
Die ursprüngliche Idee war also nicht, dass Form durc hBerechnung ersetzt wird, sondern dass man zusätzlich versteht, wie der Ort orientiert ist, wie er eingebunden ist und welchen Mustern erfolgt.
Noch einSchritt abstrakter wird es dann bei den "Fliegenden Sternen"", also den Fei-Tian. Hier wird Feng-Shui dynamischer. Es geht nicht mehr nur um den Orts sodern auch um Zeit.
Also nicht nur wo ist etwas, sondern was zeigt sich mit welcher Qualität auf welche Weise. Das ist ein großer Unterschied, denn damit wird deutlich, dass eine bestimmte Zone ist nicht einfach immer und ewig Reichtum.
Qualitäten verändern sich, Konstellationen verändern sich. Man muss lernen diese Veränderungen zu lesen. Dann gibt es Systeme wie Bazhai, die 8 Häuser. Hier wird der Raum stärker typologisch gelesen. Bestimmte Richtungen oder Bereiche gelten abhängig von Haus und Person als günstiger oder weniger günstig.
In diesem Zusammenhang taucht dann zum Beispiel auch "Sheng-Qi" auf, oft übersetzts als lebendiges Chi, oder aufsteigende Lebenskraft. Auch hier sieht man schon, wir bewegen uns nicht mehr nur in unmittelbarer Wahrnehmung, sondern in einem Zuordnungssystem.
Das ist nicht automatisch falsch, aber es ist bereits deutlich abstrakter, als die ursprüngliche Frage, trägt dieser Ort Leben - oder eben nicht.
Dann kommt einw eiterer entscheidender Schritt. Das Bagua, die 8 Trigramme, und es wird aus einemg rößeren Zusammenhang herausgelöst und auf den Grundriss übertragen. Hier muss man jetzt aufpassen und sehr sauber bleiben. Denn das Bagua ist ursprünglich nicht einfach ein dekoratives Raster, dass man wie eine Schablone über jede Wohnung legt.
Es ist Teil größerer kosmologischer, symbolischer und systemischer Zusammenhänge. Wenn man das Bagua isoliert und vereinfacht, dann entsteht sehr schnell die Vorstellung, dass bestimmte Lebensbereiche fest an bestimmte Raumsektoren gekoppelt sind.
Damit sind wir schon ziemlich nah an dem, was heute viele Menschen unter Feng-Shui verstehen. Dazu gehören dann Vorstellungen, wie das sogenannte Kompass Bagua oder die Annahme, dass bestimmte Richtungen, z.B. der Südosten, grundsätzlichen immer mit Reichtum verbunden seien. Solche Vorstellungen sind aber bereits das Ergebnis einer starken Vereinfachung.
Noch ein Schritt weiter geht dann das sogenannte "Drei-Türen-Bagua"". Dort bewegen wir uns zunehmend weg von klassischer Raumdiagnostik und stärker hin zu symbolischer, psychologischer und suggestiverArbeit. Das muss man nicht automatisch abwerten, aber man sollte ehrlich benennen, worüber wir sprechen.
Spätestens an diesem Punkt geht es nichtmehr nur um traditionelle chinesische Raumlehre, sondern auch umwestliche Deutung, psychologische Fokussierung, Elemente des positiven Denkens und teilweise um das, was man heute "Manifestieren" nennt. Und genau hier entsteht der eigentliche Denkfehler, denn der besteht darin, dass man Symbole, Modell und Wirklichkeit verwechselt.
Je abstrakter ein Modell wird, desto größer wird die Gefahr, dass wir das Symbol für die Realität halten. Dann passiert ungefähr Folgendes. Aus einem fruchtbaren Ort wird ein Raumsektor, aus einem Raumsektor wird eine Ecke, aus einer Ecke wird ein dekorativer Behälter - für Hoffnung. Und irgendwann soll dann an einzelner Gegenstand die Arbeit übernehmen, die eigentlich Struktur, Verhalten, Entscheidungskraft undLebensführung leisten müssten.
Dannlanden wir wieder bei der Vorstellung, "wenn ich nur das richtige Symbol in die richtige Ecke stelle", verändert sich alles. Und genau da wird es heikel. Denn an diesem Punkt wird es einer komplexen Raumlehre, sehr leicht eine kulturelle Projektion. Wir laden eine Ecke mit Bedeutung auf. Wir hoffen auf eine Wirkung, aber wir prüfen oft gar nichtmehr, ob die reale Umgebung überhaupt Wachstum trägt.
Ist der Raum klar? Ist erTragfähig? Ist der energetisch gesammelt? Unterstützt er Konzentration, Präsenz, Ordnung und Handlung?
Oder steht da zwar ein Brunnen, aber der ganze Rest des Lebens läuft dagegen?
Und trotzdem wäre es jetzt zu einfach an dieser Stelle zusagen: "Alles Quatsch"".
So einfach ist das eben auch nicht.
Denn Symbole KÖNNEN wirken, nur meistens eben nicht in der Weise, wie Menschen es sich vorstellen.
Ein Symbol kann Aufmerksamkeit bündeln. Es kann eine Absicht sichtbar machen. Es kann Verhalten erinnern. Es kann emotionale Ausrichtung stabilisieren. Es kann eine innere Entscheidung verkörpern. Dann wirkt nicht die Deko magisch, sondern die Beziehung des Menschen zu dieser Deko. Mit anderen Worten, ein Brunnen macht nicht automatisch reich, aber ein bewusst gesetztesSymbol kann durchaus dabei helfen, dass ein Mensch sich anders fokussiert, anders priorisiert, anders handelt und anders mit einem bestimmten Lebensthema in Beziehung tritt.
Und dann sprechen wir nicht mehr über "magisches Feng-Shui", sondern über Aufmerksamkeit, Verkörperung, in ihrer Ausrichtung und Handlung. Und genau dort kann der Raum wieder relevant werden. Nicht indem ich irgendwie eine Ecke nach einem abstrakten System aktiviere, sondern indem ich frage, wie mich im konkrete Raum meinem Vorhaben unterstützen kann. In diesem Fall etwa beim Setzen eines räumlichen Ankers.
Das ist etwas völlig anderes.
Was daran interessant ist, diese Entwicklung ist kein reines Feng-Shui-Problem. Etwas ähnliches kennt man aus der Geschichte des "Positiven Denkens"". Positives Denken kann ein kraftvolles Werkzeug sein. Es kann Menschen aufrichten, es kann Mut machen, es kann helfen die eigene Aufmerksamkeit neu auszurichten. Aber auch hier gilt, sobald wir die Verbindung zur Wirklichkeit verlieren, kippt das Ganze. Da geht es nicht mehr um Klarheit, sondern um Suggestion. Nicht mehr umHandlung, sondern um Beschwörung. Nicht mehr um Beziehung zur Realität, sondern um eine innere Ersatzwelt.
Genau das ist der entscheidende Punkt. So wie aus einem fruchtbaren Ort irgendwann eine abstrakte Reichtumsecke werden kann, so kann aus einer hilfreichen inneren Ausrichtung irgendwann die Vorstellung werden, dass die richtige Haltung allein schon genügt.
Aber, das wissen wir alle, so funktioniert das Leben eben nicht.
Wir brauchen nicht nur innere Bilder, wir brauchen Rückmeldung, Kontext, Wirklichkeit, eine echte Beziehung zu dem, was ist. Wir brauchen wieder mehr Angebundenheit. Und sobald wir diese Angebundenheit an die Welt verlieren, stellen wir uns leicht selbst ein Bein. Dann verwechseln wir Hoffnung mit Wahrnehmung, Wunsch mitDiagnose und Symbol mit Wirklichkeit.Und genau deshalb kann sogar eine Reichtumskröte interessant werden. Nicht, weil sie magisch Reichtum anzieht, sondern weil sie als Metapher etwas über dich sichtbar machen kann.
Was verbindest Du überhaupt mit Reichtum?
Wofür soll dieseFigur bei dir stehen? Für Sicherheit, für Fülle, für Sammlung, für Vertrauen, für die Erlaubnis überhaupt mehr Raum einzunehmen? Dann beginnt das Symbol zusprechen. Aber eben nicht als Zauberobjekt, sondern als Spiegel, als Anker, als verdichtete Erinnerungen, ein inneres und äußeres Thema, das in deinem Leben real werden soll. Und genau an diesem Punkt wird es wieder interessant. Nicht dort, wo das Symbol die Realität ersetzt, sondern dort, wo es dich tiefer im Beziehung zur Realität bringt. Deshalb würde ich persönlich die Frage nach der Reichtumsecke anders stellen. Nicht wo ist meine Reichtumsecke und was stelle ich hinein, sondern zuerst, was in meinem Raumträgt überhaupt Wachstum? Was stärkt Sammlung, Klarheit und Handlungskraft? Was unterstützt mich real? Was ist nur Hoffnung in hübscher Verpackung?
Erst danach kann man fragen, ob ein bestimmter Bereich zusätzlich symbolisch gestaltet werden kann. Und dann kann das durchaus sinnvoll sein. Ein Raum kann nämlich durchaus wie eine Art dreidimensionales Visionboard funktionieren, aber nur dann, wenn Symbol, Handlung und Raum zusammenkommen.
Nicht einfach: Objekt hinstellen und warten, sondern: einen passenden räumlichen Bereich identifizieren, ihn Bewusst gestalten, eine Absicht konkretisieren, Sichtbarkeit schaffen, Qualität hineinbringen, Entscheidungen daran koppeln und das ganze im Alltag ankern. Dann bekommt ein Symbol Gewicht.
Dann ist es nicht bloß Dekoration, dann wird es Teileiner gelebten Ausrichtung.
Die Reichtumsecke ist attraktiv, weil sie einfach ist. Aber einfache Bilder sind nicht immer falsche Bilder, nur eben oft unverständlich. Genau daran liegt das Problem, denn professionelle Beratung beginnt dort, wo man nicht mehr fragt, welche Ecke steht für was, sondern was trägt hier eigentlich wirklich Leben? Was fördert Entwicklung, was ist Struktur und was ist Projektion?
Und genau das zu lernen ist der Unterschied zwischen konsumiertem Feng-Shui und einer fundierten Ausbildung.
Man kann Feng-Shui konsumieren, beraten muss manlernen.
Denn sobald man Menschen wirklich beraten will, muss man unterscheiden können zwischen realer Raumqualität, traditionellen Methoden, symbolischerArbeit, psychologischer Projektion und dem, was im konkreten Leben eines Menschen tatsächlich wirksam ist. Und genau darum geht es in meiner Arbeit.
Wenn Sie Feng-Shui nicht nur konsumieren,s ondern wirklich verstehen und anwenden lernen möchten, dann beginnt am 25. April 2026 meine Jahresausbildung.
Dortgeht es nicht nur umRegeln und Tabellen, es geht darum, Räume lesen zu lernen, Zusammenhänge zu verstehen, Methoden einordnen und zu können und Menschen so zu beraten, dass daraus tatsächlich etwas tragfähiges entsteht. Und für Menschen, die sich noch nicht gleich auf ein ganzesJahr festlegen möchten, gibt es auch den Einstieg über den Practitioner. Die Informationen finden Sie unter dem Video. Wenn dir diesesVideo gefallen hat, würde ich mich über ein Abo und einen Daumen nach oben freuen. Alles Gute und bis zum nächsten Mal bei Feng-Shui am Freitag.
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